Aus einem Amazon-Agenturvertrag aussteigen: Fristen, Daten, Übergabe
Veröffentlicht am 19. August 2026
Der Ausstieg aus einer Amazon-Agentur hängt an drei Punkten: Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und automatische Verlängerung. Wichtiger als der Termin ist aber, was du beim Ausstieg herausverlangst. Ein Kontowechsel ohne Übergabe der Kampagnenlogik kostet dich Monate — und in vielen Fällen Rankings, die sich nur mit Aufwand zurückholen lassen.
Die drei Punkte, die über deinen Ausstieg entscheiden
Die Mindestlaufzeit legt fest, wie lange du überhaupt gebunden bist. Zwölf Monate sind im Markt verbreitet, es geht aber auch ohne — und ob eine Mindestlaufzeit sachlich begründet ist, hängt vom Abrechnungsmodell ab. Bei einer reinen Fixvergütung gibt es dafür wenig Anlass. Bei einer Erfolgsbeteiligung schon: Ein Vorjahresvergleich braucht einen Zeitraum, sonst lässt er sich nicht messen.
Die Kündigungsfrist bestimmt, wie viel Vorlauf du einhalten musst. Üblich sind Monats-, Quartals- oder Halbjahresfristen. Rechne sie einmal konkret durch: Eine Frist von sechs Monaten zum Jahresende bedeutet, dass eine im Juli getroffene Entscheidung erst im Januar wirksam wird.
Die automatische Verlängerung ist der Punkt, an dem die meisten hängen bleiben. Wird die Frist verpasst, verlängert sich der Vertrag um eine volle Periode — nicht selten um ein weiteres Jahr. Das ist keine Schikane, sondern Standard. Es bedeutet nur: Der einzige relevante Termin ist nicht das Vertragsende, sondern der letzte Tag der Kündigungsfrist. Der gehört in den Kalender, sobald der Vertrag unterschrieben ist.
Was du bei der Kündigung herausverlangen solltest
Diese Liste ist der eigentliche Kern. Sie beschreibt, was du brauchst, damit dein Konto nach dem Wechsel weiterarbeitet — unabhängig davon, wer es künftig steuert.
- Die vollständigen Kampagnendaten. Struktur, Kampagnennamen, Anzeigengruppen, Keywords, Gebote, Budgets, negative Keywords — als Export, nicht als Screenshot.
- Die Absicht hinter jeder Kampagne. Nicht die Einstellung, sondern der Grund dafür. Warum läuft diese Kampagne mit diesem Budget auf diese Platzierung? Ohne diese Information ist die Exportdatei eine Liste ohne Bedeutung.
- Produktbezogene Erkenntnisse. Welche Artikel tragen Deckungsbeitrag, welche nicht, welche Saisonalität wurde beobachtet, welche Varianten funktionieren.
- Die angewendeten Strategien — einschließlich der gescheiterten. Dazu gleich mehr.
- Alle Zugänge und Rechte. Wer hat aktuell welchen Zugriff auf das Verkäuferkonto, auf Werbekonten, auf verknüpfte Werkzeuge — und wird dieser Zugriff zum Stichtag entfernt?
- Produzierte Inhalte in bearbeitbarer Form. Bilder, A+ Content und Videos als Quelldateien, nicht nur als hochgeladenes Ergebnis.
Der Punkt, den fast alle vergessen: was nicht funktioniert hat
Die wertvollste Information beim Wechsel ist die Liste der Dinge, die bereits erfolglos versucht wurden. Sie wird praktisch nie übergeben, weil sie unangenehm ist — und sie ist genau deshalb so viel wert.
Ein Nachfolger, der nicht weiß, dass eine bestimmte Kampagnenstruktur, ein Preispunkt oder eine Platzierungsstrategie schon getestet wurde und nicht getragen hat, probiert sie erneut. Auf deine Kosten, mit deinem Werbebudget, über mehrere Wochen. Diese Wiederholung ist einer der Hauptgründe, warum die ersten Monate nach einem Wechsel oft schlechter laufen als die letzten davor.
Wie es bei uns geregelt ist
Weil es leichter ist, Forderungen aufzustellen, als sie selbst zu erfüllen, hier unsere eigenen Bedingungen:
- Mindestlaufzeit: in den meisten Fällen keine. Ausnahme sind Vereinbarungen mit Erfolgsbeteiligung, bei denen ein Mindestzeitraum nötig ist, damit sich der Vorjahresvergleich überhaupt messen lässt.
- Kündigungsfrist: quartalsweise.
- Übergabe: die sechs Punkte oben, vollständig — einschließlich dessen, was getestet wurde und nicht funktioniert hat.
- Datenhoheit: Das Konto gehört dir. Wir arbeiten darin, wir besitzen nichts davon.
Zahlungsmodelle und Konditionen im Detail
Wenn die Betreuung ins eigene Team übergeht
Ein Wechsel muss nicht zu einem anderen Dienstleister führen. Häufig ist das Ziel ein eigener Mitarbeiter oder ein internes Team. In diesem Fall reicht eine Datenübergabe nicht: Wer die Struktur zum ersten Mal sieht, kann sie lesen, aber nicht führen.
Deshalb begleiten wir diesen Übergang als Einarbeitung statt als Dateiübergabe — wir schulen die Person, die es künftig macht. Das ist auch für den scheidenden Dienstleister die ehrlichere Lösung: Was am Ende zählt, ist ein Konto, das ohne ihn weiterläuft.
Der häufigste Fehler beim Timing
Ein Wechsel mitten in der Hochsaison. Zwischen Oktober und Dezember entscheidet sich ein erheblicher Teil des Jahresergebnisses, und genau dann ist eine Übergabe am teuersten: Der neue Partner kennt die Saisonalität des Sortiments nicht, die Kampagnen laufen in ihrer empfindlichsten Phase, und für Korrekturen bleibt keine Zeit.
Wenn die Kündigungsfrist es zulässt, ist das erste Quartal der ruhigste Zeitpunkt für einen Wechsel — und der Zeitpunkt, an dem ein neuer Partner noch etwas aufbauen kann, bevor es darauf ankommt.