Was kostet eine Amazon-Agentur wirklich?
Veröffentlicht am 31. August 2026
Eine laufende Amazon-Betreuung kostet in Deutschland typischerweise zwischen 1.500 und 10.000 Euro im Monat. Das Honorar ist aber nur eine von vier Positionen. Wer wissen will, was am Ende übrig bleibt, muss Werbebudget, Amazon-Gebühren und Wareneinsatz mitrechnen — und genau diese vollständige Rechnung findet man auf Agenturseiten praktisch nie. Diese Seite macht sie auf.
Die vier Positionen, die zusammengehören
Die häufigste Enttäuschung entsteht nicht durch ein zu hohes Honorar, sondern dadurch, dass nur das Honorar besprochen wurde. Vollständig sind es vier Blöcke:
- Das Beratungshonorar — fix, erfolgsabhängig oder kombiniert
- Das Werbebudget — geht nicht an die Agentur, sondern an Amazon, wird aber von ihr gesteuert
- Die Amazon-Gebühren — Verkaufsprovision, Versand, Lagerung, Rücksendungen
- Einmalige Posten — Bilder, A+ Content, Videos, Übersetzungen bei Marktplatzstarts
Position 2 ist die, die am häufigsten unterschätzt wird. Bei einem Konto mit 200.000 Euro Monatsumsatz und einem werbegetriebenen Umsatzanteil von 30 Prozent bei einem ACoS von 25 Prozent liegt das Werbebudget bei 15.000 Euro — also beim Mehrfachen jedes Honorars. Wer über Kosten spricht und nur über das Honorar spricht, redet über den kleineren Teil.
Was der Markt aufruft
Zur Einordnung, was andere Anbieter öffentlich nennen — Stand August 2026, aus den jeweils veröffentlichten Angaben:
| Modell | Genannte Größenordnung |
|---|---|
| Betreuung je Produkt | ab etwa 250 € pro Monat und Produkt |
| PPC-Betreuung, pauschal | ab etwa 1.500 € pro Monat |
| Content-Erstellung | ab etwa 790 € einmalig |
| Stundensatz | 100 bis 300 € |
| Erfolgsbeteiligung | 2,5 bis 25 % — je nach Bemessungsgrundlage |
Die Spanne bei der Erfolgsbeteiligung ist der Punkt, an dem genaues Lesen sich auszahlt. 2,5 Prozent vom Gesamtumsatz können mehr sein als 25 Prozent vom Zuwachs. Die Prozentzahl allein sagt nichts — entscheidend ist, worauf sie sich bezieht.
Warum die Bemessungsgrundlage wichtiger ist als der Prozentsatz
Eine Beteiligung kann sich auf den Gesamtumsatz beziehen, auf den Gesamtgewinn, oder nur auf die Veränderung gegenüber einem Vergleichszeitraum. Nur die dritte Variante bezahlt tatsächlich Leistung.
Bei den ersten beiden zahlst du auch für den Umsatz, der ohne jede Betreuung entstanden wäre — bei einem eingeführten Sortiment ist das der weitaus größte Teil. Wie wir das rechnen, steht auf der Agenturseite, und wie sich der Beitrag von der Saison trennen lässt, auf der Seite zur Erfolgsmessung.
Eine Beispielrechnung
Die folgenden Zahlen sind ein Modell mit offengelegten Annahmen, keine Auswertung eines realen Kontos. Sie sollen zeigen, wie die Positionen zusammenwirken — deine eigenen Werte weichen ab.
| Position | Monat |
|---|---|
| Umsatz auf Amazon | 150.000 € |
| Wareneinsatz (Annahme 40 %) | −60.000 € |
| Amazon-Gebühren inkl. Versand (Annahme 25 %) | −37.500 € |
| Werbebudget (Annahme: 30 % Werbeanteil, ACoS 25 %) | −11.250 € |
| Deckungsbeitrag vor Beratung | 41.250 € |
| Beratungshonorar (Annahme 3.500 €) | −3.500 € |
| Deckungsbeitrag nach Beratung | 37.750 € |
Das Honorar liegt in diesem Modell bei 8,5 Prozent des Deckungsbeitrags und bei 2,3 Prozent des Umsatzes. Damit ist auch die Schwelle definiert, ab der sich die Zusammenarbeit rechnet: Sie muss den Deckungsbeitrag um mehr als 3.500 Euro im Monat verbessern — durch mehr Absatz, geringeren Streuverlust in der Werbung, bessere Conversion oder vermiedene Fehlbestände.
Diese Rechnung solltest du für dein eigenes Konto aufstellen, bevor du mit irgendeinem Anbieter sprichst. Sie ist die einzige belastbare Grundlage für die Frage, ob ein Angebot teuer ist.
Warum Sparen bei der Werbung anders rechnet als Sparen im Einkauf
Ein Argument, das uns regelmäßig begegnet und auf den ersten Blick sehr überzeugend klingt: Ein Händler rechnet vor, dass das Abschalten schwacher Kampagnen ihm im Monat einen vierstelligen Betrag spart — mehr, als er in einer harten Verhandlung mit seiner Spedition je herausholen würde. Warum also nicht dort sparen, wo es am leichtesten geht?
Weil die beiden Posten sich betriebswirtschaftlich unterschiedlich verhalten. Ein ausgehandelter Frachtsatz ist ein Stückkostenblock: Die Ersparnis fällt an, und danach passiert nichts weiter. Werbeausgaben dagegen erzeugen Verkaufsgeschwindigkeit, und Verkaufsgeschwindigkeit erzeugt organische Position, Bewertungen und einen organischen Umsatzanteil, der nach dem Abschalten der Anzeige weiterläuft. Die Ersparnis fällt sofort an, der Verlust erst 60 bis 90 Tage später — und in derselben Größenordnung oder darüber.
Damit hängt eine zweite Rechnung zusammen, die man kennen sollte, weil sie in Angeboten und kostenlosen Audits häufig vorkommt: der Ausweis von „verschwendetem Werbebudget". Diese Zahl wird meist als Summe aller Suchbegriffe gebildet, die Klicks, aber keine Bestellung hatten. Diese Formel ist methodisch falsch, weil sie die Conversion Rate ignoriert. Bei einer Conversion Rate von 10 Prozent ist es statistisch der Normalfall, dass die Mehrzahl der Suchbegriffe in einem beliebigen Zeitfenster keine Bestellung zeigt — ohne dass ein einziger Euro falsch ausgegeben wurde. In einem Konto, das uns mit einem solchen Audit vorgelegt wurde, sank der ausgewiesene Wert nach korrekter Berechnung von rund 28 Prozent auf unter 2 Prozent.
Und schließlich braucht jede genannte Einsparung einen Nenner. 2.000 Euro Einsparung bei 40.000 Euro monatlichem Werbebudget sind 5 Prozent — eine Zahl, die als absoluter Betrag beeindruckt und als Anteil im Rauschen verschwindet. Frag bei jeder genannten Ersparnis nach dem Bezugswert, bevor du sie bewertest.
Ab wann es sich nicht rechnet
Unterhalb von etwa einer Million Euro Jahresumsatz geht die Rechnung in der Regel nicht auf. Bei rund 80.000 Euro Monatsumsatz und denselben Annahmen wie oben liegt der Deckungsbeitrag bei etwa 22.000 Euro — ein Honorar von 2.500 Euro wären mehr als 11 Prozent davon, und die Betreuung müsste dauerhaft eine Verbesserung in dieser Größenordnung erzeugen, um sich zu tragen. Möglich ist das, aber es ist eine hohe Hürde.
Ebenfalls nicht sinnvoll ist eine laufende Betreuung für Konten ohne Umsatzhistorie. Ohne Daten gibt es nichts zu steuern.
Die vier Fragen an jedes Angebot
- Worauf bezieht sich eine Erfolgsbeteiligung — Gesamtumsatz, Gesamtgewinn oder Veränderung?
- Was ist im Honorar enthalten und was wird zusätzlich berechnet — Bilder, A+ Content, neue Marktplätze, Übersetzungen?
- Wer entscheidet über das Werbebudget, und gibt es eine zugesagte Mindesthöhe?
- Was passiert bei Vertragsende mit Konto, Kampagnendaten und produzierten Inhalten?
Wenn eine dieser Fragen unbeantwortet bleibt, ist der genannte Preis keine Grundlage für eine Entscheidung — unabhängig davon, wie niedrig er klingt.